
Es gibt diese Momente, in denen du ganz genau spürst, dass du eigentlich Nein sagen müsstest.
Für dich. Für deine Gesundheit. Für dein inneres Gleichgewicht.
Und trotzdem geht es nicht.
Nicht in dieser Situation.
Nicht bei dieser Person.
Nicht jetzt.
Noch bevor du überhaupt antwortest, tauchen die inneren Fragen auf:
Was, wenn mein Chef das nicht akzeptiert?
Was, wenn mein Partner enttäuscht ist?
Was, wenn ich dann allein dastehe?
Und so sagst du wieder Ja.
Nicht, weil du es willst – sondern weil es sich innerlich wie ein Muss anfühlt.
Viele Christinnen kennen diese gut gemeinten Ratschläge:
Du musst dich besser abgrenzen.
Du musst lernen, Nein zu sagen.
Du darfst das nicht immer mit dir machen lassen.
Das Problem ist nur: Zu wissen, dass man etwas „müsste“, macht es nicht leichter.
Im Gegenteil.
Es verstärkt das schlechte Gewissen.
Es erzeugt Frust – oft gegen sich selbst.
Und es lässt dich mit dem Gefühl zurück, wieder einmal nicht zu genügen.
Wenn Nein sagen sich unmöglich anfühlt, liegt das nicht an mangelnder Reife oder fehlendem Glauben.
Dann gibt es einen tieferen Grund.
In den meisten Fällen ist es nicht die konkrete Situation, die dich blockiert.
Es ist die Angst vor den Folgen.
Die Angst, den Job zu gefährden.
Die Angst, Beziehung zu verlieren.
Die Angst, als lieblos, egoistisch oder unzuverlässig dazustehen.
Diese Ängste sitzen oft sehr tief – so tief, dass sie nicht bewusst gesteuert werden.
Und genau deshalb funktioniert „Reiß dich zusammen“ an dieser Stelle nicht.
Im christlichen Kontext wird Nein sagen häufig als schwierig empfunden.
Schließlich wollen wir dienen, helfen, für andere da sein.
Aber Jesus lebt uns keinen Glauben vor, der auf Selbstaufgabe basiert.
Er hilft Menschen – und zieht sich zurück.
Er ist zugewandt – und klar.
Er sagt Ja zu seiner Sendung – und Nein zu Erwartungen, die ihn davon wegziehen.
Das Entscheidende ist nicht, ob du Nein sagst.
Sondern woher dein Ja kommt.
Ein Ja aus Freiheit sieht anders aus als ein Ja aus Angst.
Vielleicht fühlt sich Nein sagen für dich im Moment tatsächlich zu riskant an.
Dann ist es wichtig, ehrlich zu sein – nicht streng.
Denn es gibt mehr als zwei Möglichkeiten.
Nicht nur:
Nein sagen und Angst aushalten.
Oder: Ja sagen und dich selbst übergehen.
Oft gibt es einen dritten Weg.
Zum Beispiel:
Zeit gewinnen statt sofort zuzusagen.
Bedingungen formulieren statt dich ganz zu verpflichten.
Grenzen andeuten, bevor du sie klar aussprichst.
Nein sagen ist kein Schalter, den man einfach umlegt.
Es ist ein Prozess.
Und manchmal braucht es eine Brücke, bevor man den nächsten Schritt gehen kann.
Solange ein Nein für dich innerlich bedeutet:
Ich bin untreu.
Ich bin egoistisch.
Ich enttäusche Gott oder andere.
… wird es sich immer falsch anfühlen.
Der Schlüssel liegt nicht in besseren Formulierungen,
sondern in einer geklärten Identität.
Wenn dein Wert nicht davon abhängt, gebraucht zu werden,
kann dein Ja freiwillig werden.
Und dein Nein verliert seinen Schrecken.
Vielleicht geht es für dich gerade nicht darum, sofort Nein zu sagen.
Sondern darum, überhaupt wahrzunehmen, wo du dich selbst regelmäßig übergehst.
Das ist kein Versagen.
Es ist ein ehrlicher Anfang.
Wenn du merkst, dass es dir besonders schwerfällt, Grenzen zu setzen,
kann es hilfreich sein zu prüfen,
ob ein People-Pleasing-Muster dahintersteckt.
👉 Kostenloser Selbsttest: „Bin ich ein People Pleaser?“
wertschätzend, reflektiert und ohne Bewertung.

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